JADEBAD|Geschichte

Schwimm-Angel und trübes Wasser

Viele Südstädter/innen und Banter/innen kennen es noch, dass am Kanal gelegene Jadebad. Es bedarf häufig nur einer kurzen Ansprache, und schon sprudeln die Erinnerungen. Grund genug, die Geschichte des Bades kurz nachzuzeichnen. Bereits 1885 von der Kaiserlichen Werft für 22.000 Goldmark als Werftbadeanstalt errichtet, wurde die Anlage am Banter Hafen 1920 von der im gleichen Jahr gegründeten „Freien Wassersportvereinigung Jade“ gepachtet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Kriegs- und Inflationsjahre hatten stark zur Baufälligkeit der Anlage beigetragen. Notwendige Bauarbeiten mußten aufgrund der Geldentwertung zunächst aufgeschoben werden.

Erst als sich Ende 1923 mit der Einführung der Rentenmark ein Wirtschaftsaufschwung abzeichnete, begann die „Freie Wassersportvereinigung“ sich finanziell zu erholen. Dennoch konnte erst 1926 mit geringen Mitteln in Eigenleistung die schrittweise Erneuerung der Badeanstalt begonnen werden. So wurde der westliche Teil der Badeanstalt und die Sprunganlage erneuert sowie das Schwimmbecken ausgebaggert. 1929 wurde die Nordseite zur Hälfte wegen vollständiger Baufälligkeit abgebrochen und erneuert. Bis 1930 wurden 24.800 Reichsmark in das Jadebad investiert. Finanziert wurde diese Summe über Beihilfen, Darlehen, eigene Einnahmen und Vereinsbeiträgen. Hinzu kamen 12.600 Arbeitsstunden freiwilliger Helfer/innen. Eine beachtliche Leistung angesichts der damals vorherrschenden 48-Stundenwoche. 1930 wurden 14.154 Besucher/innen gezählt, hinzu kamen 6.188 Kinder von den Schulen, die die Anlage kostenlos nutzen durften. Hieran zeigt sich die große Beliebtheit des Bades in dieser Zeit.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten/innen am 30.01.1933 wurde die „Freie Wassersportvereinigung Jade“, wie alle Arbeitersportvereine, verboten. Um die Liegenschaften und das Inventar vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen, wurde sofort nach Auflösung der Vereinigung der Badeverein „Jadebad“ gegründet. Zwar wurden von der NSDAP in der Folgezeit neue sog. „Vereinsführer“ bestellt, doch überließen diese aufgrund eigener Ahnungslosigkeit die Geschäftsführung dem bisherigen Vorsitzenden, Paul Jahn. Der Badebetrieb wurde ohne Unterbrechung weitergeführt. 1936 wurde das „Jade-Haus“ seiner Bestimmung übergeben.

1939/40 wurde es durch den neuen Fluchtlinienplan des Geländes am Banter Hafen in seinem Bestand bedroht. Demnach sollte die Anstalt einer Ladestraße weichen. Diese Gefahr konnte noch abgewendet werden, gegen die Bombenangriffe war man jedoch machtlos. 1945 war das Bad zu 75 % zerstört. Mit Ende des Krieges wurden zunächst sämtliche Sportvereine von den Alliierten verboten. Der Verein „Jade-Bad“ fiel allerdings nicht unter das Verbot, da er zu keiner Zeit irgendeiner NS-Organisation angehörte.

Ab 1949 begannen die Vereinsmitglieder/innen, das Jadebad aus eigener Kraft und wieder aufzubauen. Auch nach dem Krieg blieb das es ein Anziehungspunkt in Wilhelmshaven. Von 1949 bis 1954 hatte das Bad 200.000 Besucher/innen. Über 3.000 Kinder lernten in der Zeit nach dem Kriege dort Schwimmen. Mensch ruhte sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren aus, auch in der Folgezeit wurde intensiv am Aus- und Umbau der Badeanstalt gearbeitet.

Ein völlig neues Gesicht bekam sie 1964: Die 25-Meter-Bahn wurde um 5 Meter verlängert, neue Spundwände wurden gezogen, das Becken wurde aus betoniert und das Nichtschwimmerbecken zum Lehrschwimmbecken umgebaut. Aus den bisherigen Holzkabinen werden Steinkabinen. Ab 1972 sollte das Jadebad dann erweitert werden. Ein entsprechendes Grundstück war bereits vorhanden.

1980 war die Zeit des Jadebades nach insgesamt 94 Jahren schließlich vorbei. Im vorangegangenen Jahr konnten nur noch 3.000 Besucher/innen gezählt werden. Damit war ihm die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Nachdem das Hallenbad gebaut und die Freibäder der Stadt und das Marinebad beheizt wurden, wollte keiner mehr im kalten Wasser des Jadebades baden.

Text: Thorsten Stahlhut | www.suedstadt-online.de