Digger Barnes

Digger Barnes

Kommen aus: Hamburg
Spielen am: 26.08.2017
Spielzeit: 21:45 – 23:00 Uhr

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Digger Barnes: Ein stillgelegter Freizeitpark, am Straßenrand 2 alte Dinosaurier aus Fiberglas. Ein Auto fährt vorbei und wirbelt Staub auf. Am Steuer ein Mann mit Schnauzer, auf der Rückbank ein Gitarrenkoffer.

Seit 10 Jahren dokumentiert der Singer-Songwriter Digger Barnes auf seinen Platten das Leben on the road. Geschichten voller Sehnsucht, Melancholie und morbidem Charme sind sein Markenzeichen und liefern den Stoff für die „Diamond Road Show“. Die „Diamond Road Show“ ist ein Roadmovie der besonderen Art, ein Bastard aus Kino und Konzert. Digger Barnes hat dieses Show-Format zusammen mit dem Maler und Trickfilmkünstler Pencil Quincy erfunden. In den letzten Jahren wurden von Barnes viele Kilometer zurückgelegt, um die „Diamond Road Show“ im In- und Ausland auf die Bühne zu bringen. Doch auch an diesem Punkt bricht der Eigenbrödler mit der Norm: Anstatt die Filmshow nur in Clubs oder Kinos aufzuführen, geht es auch auf Tour darum, sich genau wie im Roadmovie, an unterschiedlichste Orte zu begeben. Barnes ist auf seinem Roadtrip in Friedhofskapellen, alten Tankstellen, Eisenbahnwaggons und besetzten Häusern aufgetreten und schreckte auch nicht vor Shows in psychiatrischen Einrichtungen, Staatstheatern und Flugzeughangars zurück.

Durch das ständige Unterwegssein verschwimmt das reale Leben von Digger Barnes mit den Episoden der „Diamond Road Show“, und auch auf seinem neuen Album „Near Exit 27″ verwischen Realität und cineastische Fiktion.

Wie ein Prolog mutet der atmosphärisch dichte Opener “The Hoopoe“ an, dessen Horn Arrangement Assoziationen an die Filmmusik von Bernard Herrmann zu “Taxidriver“ weckt. Auch inhaltlich könnten hier Ähnlichkeiten gefunden werden zwischen dem besungenen Wiedehopf mit seinem prächtigen Kopfschmuck und dem moralisch ambivalenten Charakter Travis aus Scorseses Großstadtthriller, der von Schlaflosigkeit und Weltschmerz in die Selbstjustiz getrieben wird.

Immer wieder findet man bei Digger Barnes Themen wie Entwurzelung, Aufbruch und Flucht als Zustandsbeschreibung des Individuums in der Welt, und eben diesem ewig reisenden und nie ankommenden Outsider setzt Barnes mit “Travelin’ Man“ ein musikalisches Denkmal. Die Streichersektion von Produzent Friedrich Paravicini schmeichelt hierbei Barnes’ Stimme wie einst die Arrangements von Claus Ogerman der Stimme von Antonio Carlos Jobim.

In “Way Too Long“ entwickelt Barnes seine vollen Erzählerqualitäten. In Tradition der minimalistischen Kurzgeschichten eines Raymond Carver oder Sam Shepard wird dieser lakonische Bericht einer Trennung hauptsächlich von Barnes’ warmem Bariton getragen. Dobro und stoisch gezupfte Rhytmusgitarre rufen einem dabei das zerfurchte Gesicht von Harry Dean Stanton in Wim Wenders’ Roadmovie “Paris, Texas“ in Erinnerung.

Das erst unscheinbar herantuckernde “You Can’t Run From The Devil“ entwickelt sich durch Hinzukommen von Mellotron und Celesta innerhalb kürzester Zeit zu einer psychedelischen Verfolgungsjagd von Gut und Böse, so, als hätte Dario Argento in einem Dreiminüter das Leben von Johnny Cash verfilmt.

Auf allen Digger Barnes Alben gibt es Spiegelungen und Echos auf Lieder, die miteinander korrespondieren. “Mary Lou“ mutet dabei wie eine Fortsetzung von “The Letter“ an, einem Stück über eine zerbrochene Beziehung von dem Album “Every Story True“. Der gespenstische Einsatz von Pedal Steel und Mundharmonika verweist dabei eher nicht auf ein Happy End.

Mit “His Name Is Dan“ und “Last Dance“ finden sich auf “Near Exit 27“ auch zwei Songs aus der Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Franz Dobler wieder. 2014 eröffnen Barnes, Quincy und Dobler als künstlerischen Ableger der “Diamond Road Show“ das “Diamond Motel“, eine heruntergekommene Rock’n’Roll Herberge im Bühnenformat und verbinden dabei Kino, Konzert und Autoren-Lesung.
Neben dem sonst überwiegend akustischen Instrumentarium, kommt auf “Near Exit 27“ auch ein Synthesizer der 20er Jahre zum Einsatz: das neben dem Theremin eher unbekannte Ondes Martenot. Schon in der frühen elektronischen Musik wurde es als expressives Pendant der menschlichen Stimme geschätzt, und verleiht dem Song “Homeward Bound“ eine unheimliche, außerweltliche Atmosphäre. Sowohl “Homeward Bound“ als auch “You Can’t Run From The Devil“ schrieb Barnes für die Uraufführung des Theatertextes “Krieg. Stell dir vor, er wäre hier.“ der dänischen Schriftstellerin Janne Teller.

Auf “Near Exit 27“ finden sich immer wieder popkulturelle Verweise und Zitate, und so verwundert es nicht, daß das Album mit einer klaren Verbeugung vor dem texanischen Songwriter Billy Joe Shaver endet. Ein letztes mal wird das gesamte Instrumentarium der Produktion aufgefahren. Harmonium, Vibraphon und Hornsatz verhelfen “Shine Like A Diamond“ zu epischer Größe und vollenden ein Americana Album von dunkler, zeitloser Schönheit.

“Near Exit 27“ erscheint am 10.3.2017 auf dem eigenen Label „Barnes & Quincy“.
Ab März ist Digger Barnes zusammen mit Pencil Quincy und der „Diamond Road Show“ im deutschsprachigen Raum auf Tour.